BMBF-Studie:
Der MBA in Deutschland
Kurzfassung
einer BMBF Studie mit den Ergebnisse von Hochschul-/Anbieter-,
Studierenden/-Absolventen- und Unternehmensbefragungen zum Thema Master of
Business Administration (MBA).
Die nun vorliegende Studie zeigt, dass es den MBA als überschaubares Angebot mit eindeutig bestimmbaren Inhalten nicht gibt. Mit der vorliegenden Studie wird angesichts dieser Situation zum ersten Mal der Versuch unternommen, einen gesicherten Überblick über den MBA-Markt aus deutscher Sicht zu geben. Weiterhin enthält die Studie zahlreiche Übersichten, z.B. die von über 80 Anbietern von MBA-Programmen in Deutschland. Die Studie kann kostenlos direkt über die Homepage des BMBF bestellt werden: http://www.bmbf.de/brosch.htm
Die Ergebnisse der Studie und der Befragungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Der MBA-Markt und die MBA-Anbieter
Anbieter:
Weltweit gibt es ca. 1300 bis 1500 Anbieter mit rund 5000 Programmen davon ca.
900 Anbieter in den USA und ca. 120 Anbieter in Großbritannien. In Deutschland
gibt es im Sommer 2000 rund 80 Anbieter, die rund 100 MBA-Programme anbieten bzw.
anbieten wollen. Von den MBA-Programmen werden rund 10 an staatlichen Universitäten,
ca. 25 an staatlichen Fachhochschulen und ca. 45 von privaten und ausländischen
Anbieter/Hochschulen angeboten. Rund 90% aller Angebote sind Kooperationen bzw.
Franchise Projekte zumeist mit US- amerikanischen oder britischen Hochschulen.
Zum Vergleich: 1994 gab es maximal 15 Anbieter und 1997 ca. 35 Anbieter (überwiegend
Private oder Ausländische) in Deutschland.
Studierende:
Weltweit gibt es ca. 350.000 MBA-Studierende. Die Gesamtzahl der deutschen
MBA-Studenten beträgt im Jahr 2000 ca. 2.500 bis 3.000 Studierende. Es sind
z.B. im Großbritannien etwa 1.000 bis 1.200 Deutsche in Programmen
eingeschrieben, die zu einem britischen MBA-Abschluss führen. Rund 750 bis 900
besuchen Programme mit einem US-Abschluss. Rund 200 bis 250 Studierende besuchen
überwiegend Teilzeitprogramme in Österreich und der Schweiz. Die Anzahl der
deutschen Studierenden in von deutschen Anbietern gestalteten MBA-Programmen
liegt 1999 bei ca. 200 bis 250.
Absolventen:
Weltweit gibt es jährlich ca. 130.000 MBA-Absolventen. Etwa 1.600 deutsche
Studierende schließen jährlich (Stand 1999) die Ausbildung mit dem Titel MBA
ab. Damit hat sich die Zahl seit 1990 (geschätzte 500-1000) fast verdoppelt.
Der überwiegende Teil (ca. 90%) erwirbt einen ausländischen MBA-Abschluss. Wie
viele davon nach dem Studium im Ausland bleiben, konnte nicht ermittelt werden.
Formen des MBA:
Unterschieden wird zwischen Vollzeit-, Teilzeit-, Fernstudien-, Spezial- und
Firmen-MBA. Ein Großteil der befragten Studierenden und Absolventen der Studie
besucht zur Zeit Vollzeit- und Teilzeit-Programme. Im Ausland ist jedoch ein
Anstieg der Fernstudien- und Teilzeitangebote zu beobachten. So studieren
mittlerweile ca. 2/3 der MBA-Studierenden in GB und den USA in Fernstudien- und
Teilzeitprogrammen. Im Ausland sind weiterhin rund 50% der MBA-Angebote
sogenannte „Special-MBA“. Diese Programmform ist in Deutschland noch selten.
Angebote:
Bei der Frage nach dem erstmaligen Programmstart, wird die rasante
Entwicklung, die der MBA in Deutschland in den letzten zwei Jahren genommen hat,
deutlich. 3/4 der Angebote (staatliche/private/ausländische) sind in den
letzten zwei Jahren entstanden, bzw. sollen 2001 beginnen.
Inhalte:
Die meistem MBA-Angebote sind General Management Programme. Vertiefungen in
Marketing, Finanzen, Informations- Technologie sind in der Regel möglich.
Programmdauer:
Die durchschnittliche Programmdauer (Vollzeit/ Teilzeit) beträgt rund zwei
Jahre, in Fernstudien-Programmen sind es durchschnittlich drei Jahre.
Zulassungsvoraussetzungen: In Deutschland ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium und ein
Bewerberinterview bzw. Bewerbertest in der Regel Zulassungsvoraussetzung. Oft
werden auch Berufserfahrung und der Test Of English As A Foreign
Language (TOEFL) sowie der General Management Admission
Test (GMAT) und Referenzschreiben des Arbeitgebers verlangt.
Lehrkräfte:
Durchschnittlich stehen einem Anbieter 31 Dozenten zu Verfügung, Die Anzahl
variiert dabei zwischen 6 bis 108 Dozenten. Davon sind bei den befragten Hochschulen
durchschnittlich 10 hauptamtlich und 18 nebenamtlich angestellt. Das Verhältnis
der Wissenschaftler zu den Praktikern beträgt in Deutschland etwa 50/50, mit
einem leichten Überhang bei den Praktikern. Die MBA-Programme in Deutschland
werden oft mit Hilfe von ausländischen Lehrkräften durchgeführt.
Methoden:
Beim MBA in Deutschland überwiegt der „klassische Frontalunterricht“ und
das „Selbststudium“. Bei anglo-amerikanischen MBA-Programmen der „klassische
Frontalunterricht“ und die Bearbeitung von „Case Studies“.
Internationalität:
Fast alle MBA-Programme in Deutschland haben im Vergleich zu den USA und Großbritannien
eine stärkere internationale Ausrichtung (Fremdsprachen, Unterrichtsinhalte,
Lehrkräfte). Ca. 70% des Unterrichts werden in Englisch abgehalten (Bandbreite:
5% bis 100%). Rund 60% der deutschen Anbieter sehen Studienabschnitte im Ausland
vor.
Lerngruppe:
Die Anzahl der Studierenden pro Kurs betrug 1999 in Deutschland im
Durchschnitt 38 (Bandbreite von 10 bis 150 Studierenden).
Berufserfahrung:
Nach Angaben der Anbieter liegt die durchschnittliche Berufserfahrung der
Studierenden liegt bei etwa drei Jahren. (In der
Studierenden/Absolventenbefragung liegt die Berufserfahrung dagegen bei 7,6
Jahre). Deutsche Anbieter akzeptieren im Gegensatz zu den ausländischen
Hochschulen in der Regel keine Studierenden ohne Hochschulabschluss.
Studiengebühren:
Die durchschnittlichen Studiengebühren in Deutschland liegen bei €10.000, mit
einer Bandbreite von €0 bis € 35.000. (Ausland: GB Durchschnitt € 15.000
mit einer Bandbreite von €7500 bis € 100.000; USA Durchschnitt € 20.000
mit einer Bandbreite von €5.000 bis €50.000.)
Qualitätssicherung:
Eine Evaluierung der Lehrkräfte und der Inhalte durch die Studierenden findet
bei allen Anbietern statt. Im Ausland ist die freiwillige Akkreditierung/Qualitätssicherung
durch externe Qualitätssicherer an Hochschulen und bei MBA Angeboten üblich.
Für Bachelor- und Masterstudienangebote an staatlichen Hochschulen ist dies in
Deutschland seit 1998 vom HRG vorgesehen.
Allgemein lassen sich bei deutschen
MBA-Studierenden zwei Gruppen unterscheiden:
Die Gruppe der Endzwanzigjährigen, die nach
Abschluss eines deutschen Hochschulstudiums und keiner bzw. geringer
Berufserfahrung ein Vollzeit-MBA-Studium im Ausland anstreben. Zu dieser Gruppe
zählen auch Ausländer, die ein wachsendes Interesse daran haben, ein
englischsprachiges Vollzeit-MBA-Studium in Deutschland zu absolvieren. Die
internationale Mobilität dieser Gruppe ist hoch.
Die Gruppe der Mitdreißigjährigen, die im
Berufsleben (durchschnittliche Berufserfahrung 7,6 Jahre) stehen und sich über
eine Teilzeitausbildung weiterqualifizieren wollen. Die internationale Mobilität
ist bei dieser Gruppe eingeschränkt. Englisch als Unterrichtssprache wird aber
ausdrücklich gewünscht.
Hochschulabschluss:
Fast 100% der MBA-Studierenden haben ein (Bachelor//FH/UNI) Diplom. Ca. 1/3 sind
Wirtschaftswissenschaftler, rund 1/3 sind Ingenieure und etwa 1/3 sind
Geisteswissenschaftler etc.. Dies entspricht, bis auf Großbritannien (7%
Wirtschaftswissenschaftler), auch der Charakteristik der Teilnehmergruppen in
Europa und den USA. Rund 14% der deutschen Studierenden haben vor einem
Hochschulabschluss schon eine Berufsausbildung absolviert. Rund 10 % der
MBA-Studierenden haben eine Promotion.
Entfernung:
Ca 33% der Befragten besuchten ein MBA-Programm im Umkreis von 150 Km
zum Wohnort. Weitere 30% nahmen an Programmen mit einer Entfernung bis
maximal 600 Km teil. Die durchschnittlich Entfernung zum Studienort beträgt bei
dem Studierenden und Absolventen rund 590 Km.
Auslandsaufenthalt:
Etwa 3/4 der Studierenden (73%) und Absolventen (78%) haben sich schon vor
Aufnahme des Studiums bereits im Ausland aufgehalten. So gaben rund 29% der
Absolventen an, während des Erststudiums im Ausland gewesen zu sein. Rund 26%
hatten ein Praktikum im Ausland absolviert und 31% hatten Sprachkurse besucht.
Ca. 52% waren beruflich häufig im Ausland.
Erwartungen/Gründe:
Studenten und Absolventen erwarten als Grundkonzeption des MBA eine umfassende
wirtschaftswissenschaftliche General Management Weiterbildung. Über 80% der
Absolventen und Studenten gaben an, den Bildungshorizont vertiefen zu wollen.
Auch der Erwerb von „Soft Skills“ und einer neuen Qualifikation in einem
Fachgebiet und der damit verbundenen Verbesserung der Arbeitsmarkchancen
rangieren bei über 60% der Absolventen und Studenten ganz vorne.
Branchen:
Vor dem Studium waren fast 52% der Absolventen und Studenten in der Industrie tätig.
Aber auch ca. 8% im Bereich Finanzen, Consulting, Öffentlicher Dienst/Verbände
bzw. Handel. Nach dem Studium waren bzw. erwarteten fast 60% der Absolventen und
Studenten in der Industrie tätig zu sein und rund 28% im Bereich Consulting.
Alle anderen Branchen stagnieren oder verlieren Mitarbeiter.
Funktionen:
Vor dem Studium waren fast 40% der Absolventen und Studenten in leitenden
Funktionen tätig. Aber auch 14% im Bereich Sachbearbeitung / Assistenz. Der
Anteil der Selbständigen lag bei rund 5%. Nach dem Studium waren bzw.
erwarteten fast 80% der Absolventen und der Studenten in leitenden Funktionen
tätig zu sein. Der Anteil der Selbständigen hat sich verdoppelt.
Tätigkeitsbereiche:
Vor dem Studium waren über 40% der Befragten (Studenten 41,2% und Absolventen
44,5%) im Bereich Absatz, Vertrieb und Verkauf tätig. Auch der Bereich
Betriebsleitung (Absolventen 18,5% und Studenten 22,2%) wurde häufig genannt.
Über 50% kommen aus der Industrie. Nach dem Studium hat sich das Bild im
Bereich Absatz, Vertrieb und Verkauf nur wenig gewandelt. 49% der Absolventen
arbeiteten und 42,1% der Studierenden erwarteten einen Arbeitsplatz in diesem
Bereich. Der Sektor Betriebsleitung (29,7% Absolventen und 40,9% Studierende )
konnte erhebliche Zuwächse verzeichnen.
Weibliche Studierende:
Die Zahl der deutschen Studentinnen bzw. Absolventinnen beträgt rund 20%. Damit
liegen die deutschen Zahlen erheblich unter denen von Großbritannien (ca. 28%)
und den USA (ca. 40%).
Programmkosten:
Die deutschen Studenten / Absolventen haben für das Studium im Durchschnitt
Programmkosten von € 16.500 bis € 19.000 und Lebenshaltungskosten von rund
€ 11.000 aufgewendet. Das Studium wird zu 75% überwiegend privat finanziert.
Rund 40% erhalten aber zusätzlich zu den privaten Mitteln eine Unterstützung
durch die Unternehmen. Rund 20% haben ein Darlehen zur Finanzierung des MBA
aufgenommen.
Karriere:
Rund 70% der befragten Absolventen geben an, dass sie innerhalb von 2-3 Jahren
nach dem Studium das Unternehmen gewechselt haben. Die Mehrheit der Befragten
ist der Meinung, dass ihre Arbeitgeber sie nicht ihrem Wissensstand und ihrer
Qualifikation entsprechend beschäftigt. Das durchschnittliche Bruttogehalt der
Absolventen vor dem MBA-Studium betrug
€ 50.000, nach dem Studium € 67.000. Nach ca. 5 Jahren wurde ein Bruttogehalt
von € 94.000 erreicht.
MBA für wen?:
MBA-Programme sollten besonders für Ingenieure und Naturwissenschaftler mit
Berufserfahrung gestaltet werden, um vorhandenes Wissens zu ergänzen bzw.
Defizite zu beseitigen. Gerade Ingenieure würden hier, für eine Verwendung in
leitenden Positionen, einen Nachholbedarf haben. Die Erwartungen, die die
Unternehmen hinsichtlich Eigenschaften, Fähigkeiten, Zielsetzung und Einsatzort
der Absolventen haben, sind eindeutig: MBA-Absolventen qualifizieren sich für
eine Position in die höchsten Führungsebenen der Unternehmen.
Studieninhalten und Schwerpunkten: Der MBA soll für die befragten Unternehmen in erster Linie Kenntnisse
des General Management vermitteln und diese ggf. vertiefen. Neben „General
Management“, wurden auch „Marketing- u. Strategischen Management“
sowie die Vermittlung von „Soft Skills“ hervorgehoben.
Programmdauer:
Ein Fernstudium bzw. ein Teilzeitstudium bis zu zwei Jahren ist für einen Großteil
der Unternehmen ein akzeptabler Zeitraum.
Bevorzugte
Programmformen für die Unternehmen sind:
Teilzeitangebote mit 30 x 2 Tage am
Wochenende plus 1 Monat im Ausland in zwei Jahren = ca. 750 Präsenzstunden
bzw.
Haupteinsatzgebiet:
Für Unternehmen sind die Bereiche Finanzen (30%) und Absatz, Vertrieb (26%)
Haupteinsatzgebiet für MBA-Absolventen. Weitere Einsatzschwerpunkte liegen in
den Bereichen Betriebsleitung (18%) sowie Außenwirtschaft (15%).
Förderung:
Bei der Förderung von Mitarbeitern werden eindeutig Teilzeitstudiengänge bzw.
das Fernstudium bevorzugt. Rund 50% der Unternehmen fördern bereits bzw.
beabsichtigen Mitarbeiter zukünftig finanziell (Studiengebühren/Reisekosten/
Urlaub etc.) zu fördern.
Personalentwicklung: Rund 50% der Unternehmen können sich vorstellen, einzelne Positionen bevorzugt mit MBA-Absolventen zu besetzen. Rund 40% sehen den MBA als wichtiges zusätzliches Einstellungskriterium an. Etwa 35% sind bereit, dies auch zusätzlich zu honorieren und rund 25% der Unternehmen sind bereit, MBA-Absolventen beim beruflichen Werdegang im Unternehmen besonders zu fördern.
Die
Studie wurde von der FIBAA im Auftrag des BMBF erstellt. Die FIBAA (Foundation
for International Business Administration Accreditation) ist von
Akkreditierungsrat akkreditiert. Sie ist damit berechtigt das Gütesiegel des
Akkreditierungsrats zu vergeben. Über eine Akkreditierung entscheiden Vertreter
aus den Bereichen Wissenschaft und Wirtschaft der Länder Deutschland, Österreich,
und Schweiz (D-A-CH). Anschrift: FIBAA,
Adenauerallee 8a, 53113 Bonn, Tel.: 0049/228/104-4300, Fax: +49/228/104-4303
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FIBAA, 02.07.2001