Universität Mannheim und ihre französische Partnerhochschule ESSEC wollen in Lehre und Forschung noch enger kooperieren - Absichtserklärung in Paris unterzeichnet - Airbus-Projekt als Vorbild
In ihren Ländern gehören sie in der
Managementausbildung schon lange zu den ersten Adressen. Und auch die engen
Beziehungen beider Institutionen haben Tradition. Künftig wollen die Universität
Mannheim und die in Cergy Pontoise nahe Paris ansässige Ecole Supérieure des
Sciences Economiques et Commerciales (ESSEC) allerdings noch intensiver
zusammenarbeiten: Am heutigen Freitag unterschrieben Hans-Wolfgang Arndt, Rektor
der nordbadischen Hochschule, sein französischer Amtskollege Pierre Tapie sowie
die beiden Dekane Martin Schader und Nicolas Mottis im Beisein der französischen
Industrieministerin Nicole Fontaine eine Absichtserklärung, die eine
Kooperation auf allen Gebieten der Lehre und Forschung vorsieht. Die Marschroute
dieser deutsch-französischen Hochschulallianz ist klar: Gemeinsam wollen sich
beide Institutionen auf dem weltweiten Markt der akademischen
wirtschaftswissenschaftlichen Bildungseinrichtungen in der absoluten
Spitzengruppe etablieren.
"Die Weiterbildung von Top-Managern ist ein hoch lukrativer
Wachstumsmarkt", erklärt der Mannheimer Universitäts-Rektor Professor Dr.
Hans-Wolfgang Arndt. "Bislang überlassen wir Europäer diesen Markt fast
ausschließlich amerikanischen Anbietern. Die Universität Mannheim konnte sich
in den vergangenen Jahren als führende deutsche Management-Schmiede
etablieren." Gemeinsam mit der ESSEC soll nun auch der internationale Markt
erschlossen werden. "Schließlich brauchen wir uns vor der US-Konkurrenz
nicht zu verstecken. Während die amerikanischen Business Schools doch oft auf
den kurzfristigen Lernerfolg durch Fallstudien setzen, vermitteln wir eine
Ausbildung, die sowohl praxisbezogen als auch theoretisch fundiert ist", so
Arndt.
Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Professor Dr. Peter Frankenberg
bezeichnet die Kooperation als "wichtige Bereicherung der intensiven
deutsch-französischen Partnerschaft im Hochschulbereich". Zu begrüßen
sei insbesondere auch, dass die gemeinsame Managementausbildung Aspekte der
wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und Theoriebildung mit aufnehmen soll.
Dass ausgerechnet die Universität Mannheim und die ESSEC eine solche
Kooperation schließen, ist keine Überraschung. Beide Hochschulen zählten zu
den ersten vier europäischen Business Schools, die von AACSB International, der
weltweit führenden Vereinigung akademischer wirtschaftswissenschaftlicher
Bildungseinrichtungen, akkreditiert wurden. Schon lange pflegen sie überdies
enge Beziehungen, die weit über die üblichen Grenzen hinaus gehen. So bietet
die Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Universität Mannheim seit 1992
ihren Studierenden im Rahmen des Diplom-Studiengangs die Möglichkeit an, nach
einem einjährigen Aufenthalt an der ESSEC auch den Titel "Diplôme ESSEC
MBA" zu erwerben. Gefördert wird dieses Projekt von der Deutsch-Französischen
Hochschule (DFH) in Saarbrücken. Darüber hinaus riefen beide Hochschulen
gemeinsam mit der britischen Warwick Business School im September 2002 den
Aufbaustudiengang "The European MBA" ins Leben. Den Erfolg dieses
Programms, dessen erste Studierende vor wenigen Tagen ihr Studium abschlossen,
dokumentieren die Bewerberzahlen: An der Universität Mannheim gingen rund 320
Bewerbungen für 17 Plätze ein - eine Quote, die normalerweise nicht einmal die
renommiertesten Business Schools in den USA erreichen.
Solchen ersten Erfolgen soll mit der neuen Allianz eine langfristige Etablierung
in der internationalen "Beletage" der Anbieter von Management-Studiengängen
folgen. "Unser Vorbild ist das Airbus-Projekt, das ein Paradebeispiel für
eine "europäische Erfolgsstory" ist", erklärt Professor Dr.
Martin Schader, Dekan der Mannheimer BWL-Fakultät. Höchste Qualität in
Forschung und Lehre, Internationalität und eine enge Beziehung zur Praxis -
kurzum: die bisherigen Trümpfe beider Institutionen auf nationaler und europäischer
Ebene - sollen auch unter dem gemeinsamen Dach stechen. Der Schulterschluss wird
auf breiter Basis erfolgen. "Wir wollen nicht nur gemeinsame Programme mit
unterschiedlichen Schwerpunkten und Zielgruppen ins Leben rufen, sondern etwa
auch in der Forschung und Doktorandenausbildung sehr eng zusammenarbeiten",
so Schader. Dass die Kooperation in Zukunft noch um den ein oder anderen hochkarätigen
europäischen Partner erweitert werden wird, schließen die Verantwortlichen in
ihrer Erklärung nicht aus.
idw, 12.10.2003